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Klassenregeln gemeinsam erarbeiten: Warum Schüler ihre Regeln selbst gestalten sollten
·EOS Erleben Redaktion

Klassenregeln gemeinsam erarbeiten: Warum Schüler ihre Regeln selbst gestalten sollten

Sie kennen das Bild: Fünf Regeln an der Tafel, sauber aufgeschrieben, von der Lehrkraft formuliert. „Wir hören zu, wenn jemand spricht." „Wir melden uns, bevor wir reden." Klingt vernünftig. Hält ungefähr drei Wochen.

Das Problem liegt selten an den Regeln selbst. Es liegt daran, wie sie entstanden sind. Regeln, die Schülerinnen und Schüler nicht mitgestaltet haben, bleiben Fremdkörper , etwas, das „die Lehrerin will", nicht etwas, das „wir gemeinsam beschlossen haben". Der Unterschied klingt klein, ist aber in der Praxis riesig.

Warum gemeinsam erarbeitete Regeln besser funktionieren

Die Pädagogik ist sich in diesem Punkt weitgehend einig: Klassenregeln, die von der Gruppe selbst entwickelt werden, haben eine deutlich höhere Akzeptanz. Das hat einen einfachen Grund , Beteiligung erzeugt Verantwortung. Wer an einer Entscheidung mitgewirkt hat, fühlt sich stärker an das Ergebnis gebunden. Das ist kein pädagogisches Wunschdenken, sondern ein Grundprinzip menschlichen Zusammenlebens. Es gilt im Sportverein, im Unternehmen , und eben auch im Klassenzimmer.

Gleichzeitig ist der Prozess selbst wertvoll. Wenn Schülerinnen und Schüler darüber diskutieren, welche Regeln sie brauchen, setzen sie sich automatisch mit Fragen auseinander, die über das Regelwerk hinausgehen: Was brauche ich, um gut lernen zu können? Was stört mich? Was wünsche ich mir von den anderen? Das ist soziales Lernen in seiner direktesten Form.

Der Fehler, den viele dabei machen

Gemeinsam erarbeiten heißt nicht: alles der Klasse überlassen. Es heißt auch nicht, eine endlose Demokratie-Diskussion zu führen, bei der am Ende zwölf Regeln auf dem Plakat stehen, die niemand mehr überblickt.

Der häufigste Fehler ist, den Prozess zu überfrachten. Drei bis fünf Regeln reichen. Kurz formuliert, positiv statt verbietend, in der Wir-Form. „Wir hören einander zu" statt „Nicht reinrufen". Das klingt nach einer Kleinigkeit, verändert aber die Haltung: Die Klasse beschreibt, wie sie sein will , nicht, was sie vermeiden soll.

Und ganz wichtig: Sie als Lehrkraft behalten die Führung. Sie moderieren den Prozess, bringen eigene Vorschläge ein und sorgen dafür, dass sinnvolle Regeln entstehen. Mitgestaltung bedeutet nicht Beliebigkeit.

Was Erlebnispädagogik mit Klassenregeln zu tun hat

Hier wird es spannend , und hier unterscheidet sich unser Ansatz von dem, was in den meisten Ratgebern steht. Denn Regeln werden nicht nur am Schreibtisch verhandelt. Sie werden im gemeinsamen Tun erlebt.

Wenn eine Klasse zusammen kocht und sich absprechen muss, wer schneidet, wer rührt, wer abwäscht , dann entstehen Regeln aus der Notwendigkeit heraus. Wenn beim Teamspiel jemand ständig dazwischenruft und die Gruppe dadurch verliert, wird die Klasse von sich aus feststellen: „Wir müssen uns besser zuhören." Das ist ein völlig anderer Zugang, als wenn Sie dieselbe Regel an die Tafel schreiben.

Auf unseren Klassenfahrten erleben wir das regelmäßig. Die Regeln, die eine Gruppe am ersten Abend am Lagerfeuer gemeinsam aufstellt, werden erstaunlich konsequent eingehalten , weil sie aus einer realen Erfahrung heraus entstanden sind und nicht aus einer abstrakten Übung.

Praktische Tipps für den Prozess

Der richtige Zeitpunkt: Am besten ganz zu Beginn , im neuen Schuljahr, nach einem Klassenwechsel oder zum Start einer Klassenfahrt. Aber auch mitten im Jahr kann ein Neustart sinnvoll sein, wenn die bestehenden Regeln nicht mehr funktionieren.

Alle einbeziehen: Gerade schüchterne Kinder kommen bei einer offenen Diskussion nicht zu Wort. Lassen Sie die Vorschläge erst schriftlich und anonym sammeln , auf Zettel, die in eine Box geworfen werden. So kann jeder ohne Hemmungen beitragen.

Sichtbar machen: Die fertigen Regeln gehören gut sichtbar ins Klassenzimmer. Noch besser: Die Klasse gestaltet das Plakat gemeinsam. Das erhöht die Identifikation.

Regelmäßig überprüfen: Regeln sind kein einmaliges Projekt. Planen Sie alle paar Wochen eine kurze Reflexion ein: Welche Regeln funktionieren gut? Welche brauchen wir nicht mehr? Was fehlt? Eine lebendige Klasse braucht lebendige Regeln.

Konsequenzen mitdenken: Besprechen Sie mit der Klasse, was passiert, wenn eine Regel nicht eingehalten wird. Wenn die Konsequenzen von der Gruppe selbst festgelegt werden, wirken sie fairer , und werden eher akzeptiert.

Fazit: Regeln sind kein Deko-Plakat

Klassenregeln funktionieren dann, wenn sie mehr sind als ein Aushang an der Wand. Wenn sie aus einem echten Prozess heraus entstanden sind, wenn die Klasse sich darin wiedererkennt und wenn sie regelmäßig überprüft werden. Das erfordert etwas mehr Aufwand als fünf Sätze an die Tafel zu schreiben , aber es lohnt sich. Denn eine Klasse, die ihre eigenen Regeln trägt, braucht deutlich weniger Ermahnungen.

Wenn Sie erleben möchten, wie dieser Prozess in der Praxis aussieht, kann eine erlebnispädagogische Klassenfahrt ein idealer Startpunkt sein. Fernab des Schulalltags, in echten Situationen, mit erfahrener pädagogischer Begleitung. Die Regeln, die dort entstehen, wirken oft weit über die Fahrt hinaus. Lesen Sie auch: Sind Klassenfahrten sinnvoll?.

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Über EOS Erleben: Wir sind ein Team ausgebildeter Erlebnispädagogen und gestalten deutschlandweit erlebnispädagogische Klassenfahrten, Fortbildungen und Schulprogramme. Unser Ansatz: Ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand.

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