Schluss mit Multitasking: Warum Schüler*innen echte Aufmerksamkeit wieder erleben müssen
Schluss mit Multitasking: Warum Schüler*innen echte Aufmerksamkeit wieder erleben müssen
Multitasking klingt modern, ist aber oft ein Konzentrationskiller
Viele Jugendliche wachsen in einer Welt auf, in der mehrere Dinge gleichzeitig passieren: Chatnachrichten, Musik, Schulaufgaben, Social Media, Videos, Gespräche und Hausaufgaben laufen scheinbar parallel. Das wirkt dynamisch und leistungsfähig. Tatsächlich ist es für das Gehirn aber häufig eine enorme Belastung.
Der Ausgangsartikel zeigt deutlich: Was wir Multitasking nennen, ist meistens kein echtes gleichzeitiges Arbeiten. Es ist ein schneller Wechsel zwischen Aufgaben. Dieser Wechsel kostet Energie, Zeit und Konzentration.
Für Schüler*innen bedeutet das: Wer ständig zwischen Reizen springt, trainiert nicht unbedingt Aufmerksamkeit, sondern vor allem Ablenkbarkeit.
Der Preis des ständigen Aufgabenwechsels
Wenn ein Kind an einer Aufgabe arbeitet und zwischendurch aufs Handy schaut, muss das Gehirn jedes Mal neu umschalten. Es muss sich erinnern, worum es gerade ging, welche Regel galt und welcher nächste Schritt ansteht.
Dieser sogenannte Kontextwechsel hinterlässt oft einen „Aufmerksamkeitsrest". Ein Teil der Gedanken bleibt noch bei der vorherigen Sache hängen. Genau deshalb fällt es nach Unterbrechungen so schwer, wieder richtig einzusteigen.
Im Schulalltag zeigt sich das zum Beispiel so:
- Schüler*innen beginnen Aufgaben, bringen sie aber nicht zu Ende.
- Sie wirken schnell überfordert, obwohl sie eigentlich leistungsfähig sind.
- Gruppenarbeiten werden unruhig und sprunghaft.
- Gespräche verlieren Tiefe.
- Konflikte entstehen schneller, weil niemand mehr richtig zuhört.
Das Problem ist dabei nicht nur individuelles Verhalten. Es ist auch eine Frage der Umgebung und der Lernkultur.
Erlebnispädagogik schafft Fokus durch echte Situationen
Eine erlebnispädagogische Aufgabe funktioniert anders als ein digitaler Reiz. Sie ist konkret, körperlich, sozial und unmittelbar. Wenn eine Gruppe gemeinsam eine Herausforderung bewältigen will, braucht sie Aufmerksamkeit.
Ein Beispiel: Die Klasse soll eine Kooperationsaufgabe lösen, bei der alle beteiligt sind. Niemand kann einfach nebenbei etwas anderes machen. Wer nicht zuhört, verpasst wichtige Informationen. Wer vorschnell handelt, gefährdet den gemeinsamen Erfolg. Wer aufmerksam beobachtet, kann der Gruppe helfen.
So entsteht Fokus nicht durch Druck, sondern durch Bedeutung. Die Aufgabe ist real genug, um Aufmerksamkeit zu binden.
Vom Reizmodus in den Beziehungsmodus
Ständiges Multitasking verändert auch die Qualität von Beziehungen. Wer innerlich immer schon beim nächsten Impuls ist, hört weniger genau zu. Das betrifft nicht nur Schüler*innen, sondern auch Erwachsene.
Auf Klassenfahrten und in Teamtrainings kann eine andere Form von Präsenz entstehen. Wenn die Gruppe draußen unterwegs ist, Aufgaben löst und sich aufeinander verlassen muss, zählt der Moment. Blickkontakt, Absprachen, Körpersprache und Vertrauen werden wichtiger als schnelle Reaktionen auf digitale Reize.
Gerade für Klassen, die unruhig, konfliktbelastet oder stark in Grüppchen aufgeteilt sind, kann das sehr wertvoll sein. Gemeinsame Erlebnisse schaffen eine Grundlage, auf der wieder mehr gegenseitige Aufmerksamkeit möglich wird.
Medienverzicht muss erfahrbar sein, nicht moralisch
Viele Jugendliche reagieren empfindlich, wenn Erwachsene ihnen pauschal erklären, dass Smartphones schlecht seien. Verständlich: Digitale Medien sind Teil ihrer Lebenswelt.
Erlebnispädagogik kann hier einen anderen Weg gehen. Statt Verbote in den Mittelpunkt zu stellen, ermöglicht sie Erfahrungen. Schüler*innen merken selbst, wie es ist, wenn das Handy für eine Weile keine Rolle spielt. Sie erleben, dass Langeweile kreativ machen kann. Dass Gespräche länger werden. Dass Aufgaben mehr Spaß machen, wenn alle wirklich dabei sind.
Das Ziel ist nicht Medienfeindlichkeit. Das Ziel ist Medienmündigkeit: bewusst entscheiden können, wann digitale Geräte hilfreich sind und wann sie Aufmerksamkeit rauben.
Was Lehrkräfte beobachten können
Nach intensiven erlebnispädagogischen Tagen berichten Lehrkräfte häufig, dass Schüler*innen anders miteinander umgehen. Manche werden ruhiger. Andere zeigen plötzlich Verantwortung. Wieder andere erleben sich als wirksam, obwohl sie im Unterricht eher unauffällig oder störend wirken.
Das liegt auch daran, dass Erlebnispädagogik andere Formen von Kompetenz sichtbar macht: Orientierung, Mut, Empathie, praktische Intelligenz, Durchhaltevermögen, Humor, Führungsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft.
Diese Erfahrungen können zurück in den Schulalltag wirken, wenn sie gut reflektiert werden.
Fazit: Aufmerksamkeit braucht Übungsräume
Aufmerksamkeit entsteht nicht automatisch. Sie braucht Räume, in denen sie geübt, erlebt und wertgeschätzt wird. Der normale Schulalltag bietet dafür oft zu wenig Zeit und zu viele Unterbrechungen.
Eine erlebnispädagogische Klassenfahrt kann ein solcher Übungsraum sein. Sie unterbricht das gewohnte Reizschema und schafft Situationen, in denen echte Konzentration notwendig, sinnvoll und gemeinschaftlich erfahrbar wird.
EOS Erleben e. V. aus Freiburg unterstützt Schulklassen dabei, genau solche Räume zu gestalten: draußen, lebendig, herausfordernd und nah an den Themen, die Schüler*innen wirklich betreffen.
Call-to-Action: Sie möchten mit Ihrer Klasse raus aus dem Ablenkungsmodus und rein in echte Zusammenarbeit? EOS Erleben e. V. entwickelt erlebnispädagogische Klassenfahrten und Projekttage für mehr Fokus, Gemeinschaft und Verantwortung.
