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Was ist Erlebnispädagogik wirklich? Warum es um mehr geht als Action und Spaß
·EOS Erleben Redaktion

Was ist Erlebnispädagogik wirklich? Warum es um mehr geht als Action und Spaß

Wenn Eltern hören, dass die nächste Klassenfahrt „erlebnispädagogisch" sein soll, entsteht oft ein bestimmtes Bild: Kletterpark, Floßbau, Hochseilgarten. Action halt. Spaß. Und danach? Danach geht der Alltag weiter wie vorher.

Dieses Bild ist weit verbreitet, aber es beschreibt nicht Erlebnispädagogik. Es beschreibt Entertainment mit Outdoor-Kulisse. Der Unterschied ist grundlegend, und ihn zu verstehen verändert die Art, wie man über Klassenfahrten, Teambuilding und Bildung nachdenkt.

Erlebnis ist nicht gleich Erlebnis

Der Begriff „Erlebnis" ist im Alltag inflationär geworden. Erlebnisbad, Erlebnisgastronomie, Erlebnisshopping. Alles soll ein Erlebnis sein, und meistens ist damit gemeint: möglichst aufregend, möglichst spektakulär, möglichst instagrammable. Das Problem: Nach dem Kick kommt die Leere. Und dann braucht es den nächsten Kick, ein bisschen höher, ein bisschen schneller.

Erlebnispädagogik geht genau den anderen Weg. Es geht nicht um die Anhäufung von Erlebnissen, sondern um die Kultivierung der Erlebnisfähigkeit. Dieser Satz klingt erstmal abstrakt, aber er beschreibt den Kern: Nicht möglichst viel erleben, sondern lernen, das Erlebte wirklich wahrzunehmen, zu verarbeiten und daraus zu wachsen.

Skill statt Thrill: Was Erlebnispädagogik tatsächlich will

In der Erlebnispädagogik werden bewusst Situationen geschaffen, die herausfordern, aber nicht überfordern. Die Teilnehmenden, ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, begegnen einer Aufgabe, die sie mit ihren bisherigen Routinen nicht lösen können. Sie müssen neue Wege finden, zusammenarbeiten, kommunizieren, Grenzen austesten.

Das kann beim Feuermachen passieren, beim gemeinsamen Kochen für dreißig Personen, beim Stockfechten oder beim Bau eines Unterschlupfs im Wald. Es muss nicht spektakulär sein. Es muss echt sein.

Entscheidend ist, was danach passiert: die Reflexion. In der Erlebnispädagogik wird das Erlebte gemeinsam besprochen, eingeordnet, auf den Alltag übertragen. Was ist passiert? Wie haben wir zusammengearbeitet? Was hat funktioniert, was nicht? Was nehmen wir mit? Ohne diesen Schritt bleibt ein Erlebnis nur ein Erlebnis. Mit Reflexion wird es zu einer Lernerfahrung.

Die Wurzeln: Woher kommt Erlebnispädagogik?

Der Begriff hat eine lange Geschichte. Kurt Hahn, der Gründer der Outward-Bound-Bewegung, formulierte bereits in den 1930er Jahren die Idee, dass junge Menschen durch Herausforderungen in der Natur Charakter und Verantwortungsbewusstsein entwickeln. Sein Ansatz war eine Antwort auf das, was er als „Verfallserscheinungen" der Jugend bezeichnete: Mangel an Initiative, Mangel an Sorgfalt, Mangel an Mitgefühl.

Fast hundert Jahre später sind diese Beobachtungen aktueller denn je, nur die Ursachen haben sich verschoben. Heute sind es Bildschirmzeit, soziale Medien und eine Welt, in der fast alles digital vermittelt wird, die dazu führen, dass Kindern und Jugendlichen grundlegende Erfahrungen fehlen: etwas mit den eigenen Händen schaffen, sich körperlich anstrengen, echte Konsequenzen des eigenen Handelns erleben.

Was Erlebnispädagogik nicht ist

Um den Begriff klarer zu machen, hilft es, ihn abzugrenzen:

Erlebnispädagogik ist kein Freizeitprogramm. Es gibt ein pädagogisches Ziel, einen methodischen Aufbau und ausgebildete Fachleute, die den Prozess begleiten. Die Aktivitäten sind Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck.

Erlebnispädagogik ist kein Survivaltraining. Es geht nicht darum, wer am härtesten ist oder wer am längsten ohne Essen auskommt. Es geht um Gemeinschaft, Selbsterkenntnis und persönliches Wachstum.

Erlebnispädagogik ist nicht nur für „schwierige" Kinder. Dieser Irrglaube hält sich hartnäckig. In Wahrheit profitiert jede Gruppe davon, ob Grundschulklasse oder Lehrerkollegium. Die Methoden werden an die Zielgruppe angepasst, nicht umgekehrt.

Erlebnispädagogik ist nicht nur Outdoor. Auch wenn viele Programme draußen stattfinden, sind die Methoden nicht an den Wald gebunden. Theater, Zirkus, kreatives Gestalten, Meditation, all das kann erlebnispädagogisch sein, wenn es methodisch eingebettet ist.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Ein typischer Tag auf einer erlebnispädagogischen Klassenfahrt bei uns sieht so aus: Am Morgen gibt es einen gemeinsamen Morgenkreis mit Bewegung und Liedern. Dann wählen die Schülerinnen und Schüler ihren Workshop, Feuerzauber, Waldläufer, Theater, Bogenschießen oder eines von vielen anderen Angeboten. Vormittags wird in Kleingruppen intensiv gearbeitet. Nach dem gemeinsam zubereiteten Mittagessen und einer Ruhephase folgen am Nachmittag Teamspiele und kooperative Herausforderungen für die ganze Klasse. Der Tag endet mit einer Abendrunde am Lagerfeuer, in der das Erlebte gemeinsam reflektiert wird.

Das klingt unspektakulär. Und genau das ist der Punkt. Die Wirkung entsteht nicht durch den einzelnen Programmpunkt, sondern durch den Rhythmus aus Aktivität und Besinnung, aus Herausforderung und Reflexion, aus Gruppenerlebnis und persönlicher Auseinandersetzung.

Fazit: Erlebnispädagogik ist das Gegenteil von Entertainment

Wenn jemand fragt „Was ist Erlebnispädagogik?", lautet die kürzeste ehrliche Antwort: das Gegenteil von dem, was die meisten darunter vermuten. Nicht lauter, schneller, mehr, sondern bewusster, tiefer, nachhaltiger. Nicht Konsum von Erlebnissen, sondern Entwicklung durch Erfahrung.

Bei EOS Erleben arbeiten wir deutschlandweit mit Schulen, Familien und pädagogischen Fachkräften. Unser Ansatz verbindet die bewährten Methoden der Erlebnispädagogik mit einem starken Fokus auf Naturverbundenheit und ganzheitliches Lernen. Wenn Sie erleben möchten, was Erlebnispädagogik in der Praxis bedeutet, ob als Klassenfahrt, Fortbildung oder Schulprogramm, sprechen Sie uns an. Lesen Sie auch: Sind Klassenfahrten sinnvoll?.

→ Unsere Klassenfahrten im Überblick
→ Fortbildungen für Lehrkräfte
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Über EOS Erleben: Wir sind ein Team ausgebildeter Erlebnispädagogen mit Wurzeln im 2002 gegründeten Verein EOS Erlebnispädagogik e.V. Unser Leitgedanke: Nicht die Anhäufung von Erlebnissen, sondern die Kultivierung der Erlebnisfähigkeit. Wir arbeiten deutschlandweit mit Schulen, Familien und pädagogischen Einrichtungen zusammen.

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